01.11.24 Makassar

Die Reise dauerte nahezu 30 Stunden ab Dresden. Erst der Flixbus, der fast eine Stunde Verspätung hatte. Den Anschlussbus in Prag Florence verpasste ich so um wenige Minuten. Also etwas Hektik: zur Metro, eine Station bis Hauptbahnhof und dann von dort mit einem Airportbus. Ich war so knapp 100 Minuten vor Abflug am Checkin-Schalter. Ich hatte schon online eingechecked für den ersten Flug und einen Fensterplatz bis Dubai. Am Schalter hieß es, dass ich für den Weiterflug On-Hold wäre - mein Gepäck würde aber durchgehen. Die Zippe fragte zweimal, ob ich über China fliege. Jakarta liegt nicht in China. Von dem Moment an hatte ich ein ungutes Gefühl, wie es weitergehen sollte. Nach der Passkontrolle führte ein langer Weg zum Terminal B. Eine Abbiegung war nicht richtig ausgeschildert und eine weitere Passkontrolle führte mich wieder nach Prag. Also nochmal rein ... Dummheit muss bestraft werden. Der Flug war dann recht okay. FlyDubai bietet bei fünf Stunden ein Essen und einen Becher Wasser - mehr nicht. Dafür hatte ich recht gut geschlafen. In Dubai konnte ich am Automaten den nächsten Flug einchecken - der allerletzte Platz und am Gang. Die Emirates waren gut. Wein, gutes Essen und immer wieder auch so Getränke zwischendurch. Auch das Schlafen klappte..
In Jakarta musste ich schon immigrieren - mit Gesundheitsfragebogen - das e-Visa hatte ich schon zu Hause gemacht. Dazu noch ein Zoll-Fragebogen mit Code zu scannen und auszufüllen. Am Airport neu einchecken und dann etwa fünf Stunden vertrödeln bis vier Uhr am Morgen.

Ich konnte wieder etwas schlafen. Was ich noch nicht wusste: mein Rucksack drehte dort auf dem Band einige Runden und blieb dort bis heute.

Am Airport in Makassar war ich der einzige Europäer.

Das Personal war überfreundlich, kommunkativ und hilfsbereit. Schnell war auch die Suchanzeige aufgegeben. Welche Farbe hat mein Rucksack? Hilfe! Ich weiß ja nicht einmal, wie mein Auto aussieht... Er wurde dennoch schnell gefunden und am Nachmittag konnte ich ihn abholen. Aber erst einmal ging es per Bus zum Hotel. Der Flughafen hatte keinen Bankschalter, keine Wechselstube und keinen Automaten - jedenfalls hab ich nichts gesehen. Kreditkarte ging nicht im Bus und meine drei Dollar drehte und wendete der Schaffner mehrfach hin und her. Ein Einheimischer wechselte das für mich und gab Rupien für die Dollar - sofort eine unglaublich Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und auch etwas Neugier - und sofort war ich auch mit anderen im Bus im Gespräch. Mir wurden Tipps für das Abendessen gegeben, wo der Bus langfährt und ich aussteigen muss wurde mit dem Fahrer geklärt. Sofort: Wohlfühlen hier. Dabei ist Makassar nicht wirklich einladend. Ich hatte zwei Nächte hier gebucht - eine zuviel. Trotz der immensen Freundlichkeit.
Noch bevor ich am Morgen losspazierte, vermittelte mich der Herr an der Rezeption an einen Tourveranstalter - ganz individuelle Touren mit öffentlichen Transportmitteln, Shared Taxis, Fähren, Booten. Dazu Guide und Mopedfahrer, die mich überall dahinbringen, wo ich hin wollte. Beim Planen wurde mir bewusst, dass drei Wochen viel zu wenig sind für Sulawesi - selbst für das Stück, das ich mir ausgewählt hatte. Es kommt mir also entgegen, dass jemand für mich alle Transfers durchtaktet und ich immer mit Locals zu tun haben werde. Wir haben vier Raten vereinbart und ich kann aussteigen, falls es mich enttäuschen würde. 825 € für alles ohne Stress - das klingt angemessen für 20 Tage übernachten und persönliche Betreuung und Frühstück. Das war auch etwa mein Budget ...
Danach spazierte ich mittags in Wanderstiefeln und Jeans an der Meerespromenade entlang. Anderthalbstunde Sauna ohne Abkühlpause. Ich war völlig fertig - also störte die Stunde per Minibus zum Airport auch nicht. Den Ankunftsbereich zu finden, war nicht so einfach - der Flughafen ist eine Großbaustelle. Zwei Leute nahmen mich auf dem Moped mit - ich musste mich nicht darum bemühen. Diese Herzlichkeit hier! Den Rucksack konnte ich mir einfach so aus dem Raum nehmen - ohne Papierkram. Dann ging es im großen Bus zurück. Dieses Mal hatte ich Geld: ich hatte 7,5 Millionen abgehoben. Endlich Multimillionär. Im Hotel dann noch einmal richtig duschen - jetzt auch Wäschewechsel und Waschzeug. Ich hatte mir dennoch das nötigste gekauft - ich wusste ja nicht, wie lang das dauern wird. Auf der Rückfahrt begann es zu regnen. Die Straßen waren teilweise zwanzig Zentimeter überflutet - Mopeds und Autos drängelten dennoch wild durcheinander mit Hupen, Bremsen und Beschleunigen.


Nach dem Kleiderwechsel ging es im Nieselregen auf Essensuche. Alles, was mir empfohlen worden war, war geschlossen. Ich landete in einem gut gefüllten Warung mit Neonlicht. Vier Männer kochten und im Halbkreis saßen ihnen die Gäste gegenüber - ich dann mittendrin zwischen den anderen.

Es gab einen Teller Reis und aus einem riesigen Topf wurde eine Brühe in eine Schale mit Reis geschwenkt. Darunter etwas Gemüse, Rindfleisch (jedenfalls sehr dunkel). In einer Schüssel rechts neben mir lag ein Bein - kein Huf, keine Klauen. Dafür fünf Krallen. Hund? Affe? Das hatte auch niemand essen wollen. Trotzdem war das Essen genießbar - und kostete keine drei Euro mit einer Flasche Wasser. Bier hatte ich hier nirgendwo gesehen - ich hatte dann im Hotel noch einmal gefragt. Kein Wunder bei zig Moscheen und Rufen des Muezzins aus allen Ecken. Jetzt jedenfalls habe ich ein Bier - Chips und Nüsse dazu. Das wird teurer als die Mahlzeit. 

Ich habe durchgehalten ohne zu schlafen - vielleicht komme ich ohne Jetlag durch?
Die Fotos meines Spaziergangs zeigen die Stadt schöner als sie ist. Aber auch egal - die Menschen hier sind einfach nur nett. Ich bekomme viel Aufmerksamkeit, weil hier kaum Westler unterwegs sind. Fast jeder grüßt, viele fragen kurz etwas. Nur ein, zwei Rikschafahrer waren etwas aufdringlich.


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