03.11.24 Rantepao am Morgen

Ich habe gestern Abend noch lange bei Ismail gesessen - leider reichte sein Englisch nur für das allerwichtigste. Ich muss also doch wieder paar Brocken Indonesisch lernen. Nach der Toilette kann ich schon fragen - nicht nötig zur Zeit - wäre sonst auch schlimm. Guten Tag, danke, guten Morgen und paar Zahlen sind noch da.
Der Abend war schön und ich konnte entspannt auf meinen Transfer zum Nachtbus warten - schön, wenn man vertrauen kann. Ismail stand im Kontakt zum Bus, wusste also, wo und wann ich aufgegabelt werde. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sass ich noch in der Kneipe am Bootsanleger. Ich konnte mein Handy laden und meinen Blog schreiben, Fotos bearbeiten.

Bei Ismail bekam ich dann ein Abendessen aus Reis, Tofu und Wasserspinat. Sehr lecker und unerwartet. Ich durfte allein in deren Wohnraum sitzen. Einfach - aber doch schon mit einem gewissen Wohlstand.
Ein Fernseher war dort, die ersten Geckos konnte ich sehen. Vor dem Haus auf der Pritsche aus Bambus brannte dann eine Moskitocoil, Ismail daddelte am Handy. Ich schätze ihn auf um die 35..40, seine Frau wirkte etwas älter - Kinder sah ich keine. Ich hätte fragen können. Kinder heißt Anak-Anak. Das ist dann schon die Mehrzahl.
In der beginnenden Nacht hörte man die Zikaden und Frösche und allerlei tropische Soundkulisse. Romantisch klang der Gesang aus der Moschee durch die Dunkelheit - ich höre das gern - vor allem so intim in einem kleinen Dorf. 
Zum Bus wurde ich mit einem Auto gebracht. Ismail und ein Fahrer und ich wurde begeitet, bis der Bus auch ankam. Allein wäre ich unruhig geworden, da drei Sleeperbusse meines Transportunternehmens Bintang Timur an der "Raststätte" durchrauschten. Dort stand ein sehr neues, chinesisches Auto, links vorn heftig zerdeppert - es war unter einen Kleintransporter gerauscht. Kein Wunder bei dieser Fahrerei. Das ist halsbrecherisch: rechts oder links überholen, seitlich drängeln auf mehr Fahrspuren, als die Straße hat. Gern auch frontal auf den Gegenverkehr zu - der wird schon ausweichen. Nicht einmal Moped würde ich dort fahren. Auf Nebenstraßen geht das halbwegs, wenn nicht zu Verkaufsständen oder Garküchen umgebaute Mopeds entgegenkommen.
Also: ich bin heil hier angekommen. Der Busfahrer hat verstanden, wo ich aussteigen wollte und sich das gemerkt und auch wie mein Rucksack aussieht. Und ich hab das Wort für Brücke - Jembatan - gelernt. Lynda hat mich dort erwartet und mein Rucksack lag längst in ihrem Auto, ehe ich mich aus meiner Schlafkabine rausgepellt hatte. Sie spricht gutes Englisch, ist wie die meisten hier im Torajaland Protestantin. Mein Zimmer in der Villa Luna: ein großer hölzerner Raum in einem großen Holzhaus, ein großes Bad - heute mit kaltem Wasser. Eine Terrasse für die Gemeinschaft mit Kaffee zur Selbstbedienung, WiFi, Hunden, Katze, Aquarium. Im Nebenraum liegen Schlauchboote für Rafting. Rundherum schreien Hähne, Vögel zwitschern - es ist bewölkt und recht frisch. Ich fühle mich ganz wohl hier. Gemütlich ist es aber trotzdem nicht. Die Freundlichkeit macht das aber wieder wett.
Andri, mein Guide, hat sich gestern Abend schon gemeldet. Das geht alles per WhatsApp. Ich habe eine lokale SIM-Card im Zweithandy als Hotspot dabei - ohne das wäre keine Abstimmung möglich. 9 Uhr will Andri hier sein. Ich werde seinem Vorschlag wahrscheinlich blind folgen - man weiß hier, was Touristen sehen wollen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

06.11.24 Rantepao

17.11.24 Wakai

20.11.24 Luwuk