04.11.24 Rantepao, abends


Andri hat mich heute pünktlich um 9 Uhr abgeholt: anfangs wirkte er schüchtern und zurückhaltend. Er ist noch recht jung, aber ohne Kinder verheiratet, Protestant – aber wie fast alle Toraja hier auch im alten Geisterglauben verwurzelt. Er konnte mir sehr viel erzählen und auch viele meiner Fragen beantworten. Das hat richtig Spaß gemacht und ich durfte das Tempo vorgeben. Ich hatte überall so viel Zeit, wie ich brauchte. Wir begannen in Ke'te Kesu – dort gab es die traditionellen Häuser und Reisspeicher und ein Stück zu Fuß entfernt die ersten Gräber und hängenden Gräber. Es war nicht zu touristisch – vor allem wenige Westler. Die Mehrzahl waren Touristen aus Indonesien. Vor den Sehenswürdigkeiten wurde ein riesiger überdachter Platz aufgebaut. Demnächst kommen hier zigtausende Toraja zusammen und der indonesische Präsident. Das nahm etwas von dem beeindruckenden Ambiente weg, da die Perspektive darauf verbaut war. Es standen aber auch überall Autos und Mopeds umher, die das Bild störten.

Hier jetzt alles über diese traditionellen Häuser aufzuschreiben, wäre müßig. Die Tongkonan sind toll anzusehen mit ihren Bambusdächern – die meisten allerdings sind heute mit Wellblech gedeckt. Schade. Außerdem werden nur noch wenige so gebaut. Wie überall: moderne Menschen wollen so nicht mehr leben.

Interessant fand ich, dass es neben der offenen kleinen Feuerstelle im größten Raum im Zentrum zwei Schlafbereiche gibt. In dem einen wohnt die Familie, im anderen ist der Altenteil – Ost und West. Wenn jemand stirbt, liegt er da noch lange rum, bekommt zweimal täglich was zu essen und die Kinder „spielen“ auch noch mit ihm. Der Tod gehört dazu. Mein Guide hatte erlebt, dass da mal einer 15 Jahre rumgelegen hat – eher nicht die Regel, aber ein paar Wochen können zusammenkommen. Das größte Ereignis sind hier die Bestattungszeremonien. Da werden Büffel und Schweine geschlachtet und geopfert und viele Geschenke übergeben. Ich hoffe, eine davon erleben zu dürfen.

Die hängenden Gräber schützen die Verstorbenen davor, von Raubtieren gefressen zu werden. Wahrscheinlich diente es auch dazu, die Grabbeigaben zu schützen – man nimmt hier mit, was einem wichtig war und was man später noch gebrauchen kann.

Irgendwann begann dann schon früh Grabräuberei. Daher wurden nur die Toten in Höhlen geschoben und ein „Stellvertreter“ bzw. eine Nachbildung davor aufgestellt. Der hölzerne Körper wird bekleidet und aus Papayaholz (?) gefertigt – das kommt später der Hautmaserung nahe.  Auch diese Tau-Tau genannten Figuren wurden später gern geraubt. Touristen waren auch früher schon geschmacklos. Wahrscheinlich finden sich solche auch in unseren Völkerkundemuseen.


Neben weiteren Orten mit Tongkonan und Gräbern beeindruckte mich die Bestattung von Babys. Solange noch keine Milchzähne gewachsen sind, werden sie aufrecht in eine geschaffene Öffnung in einem Baum gelegt, mit Ananasfasern umwickelt. Dann wird das Loch zugestopft und mit einem aus Fasern geflochtenen Schild zugedeckt. Die Eltern verlassen den Baum, ohne zurückzublicken. Der spezielle Baum hat einen milchigen Saft und ernährt das Kind weiter. Die Wunde des Baumes verheilt und hat das Kind umschlossen. Auch solche Stellen waren zu sehen.

Andri erzählte von der Funktion des Clans auch in Fragen der Justiz, vom Streit ausfechten mittels Hahnenkampf, vom Status des Büffels, der hier niemals arbeiten muss, da er spirituell bzw. heilig ist. Die Tiere dürfen 15Jahre alt werden. Je mehr Büffel sich beim Dorfältesten ansammeln, umso höher die Anerkennung und der Status. Deshalb hängen die Schädel der geopferten Tiere auch an den Häusern.

Hier einfach viele Bilder. Die Ortsnamen hab ich mir nicht gemerkt und google auch nicht, weil ich offline war. Suaya habe ich mir gemerkt: die steile Wand mit den Königsgräbern und den Tao-Tao auf den Balkonen. Nicht wirklich Könige – aber die Leute gehörten zur höchsten der vier Kasten, die es hier gibt.

Auf dem Rückweg ging es noch zu einer beachtlich großen Christusstatue auf einem Berg bei Makale. Von dort sah man schon den heftigen Nachmittagsregen herannahen. Ich war dann trotz Regenjacke pitschnass und froh, im Hotel eine warme Dusche zu haben. Ich hoffe, meine Wäsche trocknet hier wieder. Deshalb hatte ich heute Abend auch keine Lust auf 8km Hin- und Rückweg in die Ortsmitte. Ich hatte mir Nasi Goreng Ayam hierherbestellt und ein Bintang als Schlaftrunk – vorher gab es drei Ingwertees.

Am Abend kam ich dann mit dem Franzosen ins Gespräch, hab etwas mehr mit den beiden jungen Deutschen gesprochen. Unterwegs hatte ich kurz mit einer Schwedin aus Stockholm ein paar Worte gewechselt. Nur drei Wochen bin wieder mal nur  unterwegs.

 

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