18.11.24 Luk Panenteng

Der vorletzte richtige Urlaubstag, morgen der letzte. Dann ist der Rest schon ein langsamer Rückweg in Etappen: Moped, Fähre, Übernachten, etwas City bis gegen Mittag und dann der Flug zurück nach Makassar. Dort bleibt ein Vormittag, bevor es nach Hause geht.

Heute morgen wurde ich aus dem Hotel gegen 9 Uhr abgeholt. Zuvor war ich schon einmal 45 Minuten zu Fuß unterwegs – nach dem Frühstück. Es gab Toast und Marmelade, Schokocreme und ranzige Butter. Alternativ Fisch, Reis, Gemüse und Tofu. Auf die Butter habe ich verzichtet. Mit dem Guide brachte ich noch etwas verschwitzte Wäsche zum Waschen – die bekomme ich übermorgen wieder. Das Englisch meines Guides hielt sich in Grenzen. Zwei Tage – dua hari. Das hab ich auch noch geschafft. Auch die Zahl: 15.000 Rupien – weniger als ein Euro für zwei Kilo Wäsche. Danach ging es zum Wasserfall. Schön – aber nicht spektakulär. Unterhalb lag dann noch ein kleines Wasserkraftwerk mit 1kW Leistung. Ich verbrachte eine Stunde dort. Der Guide schlug mir noch ein Mittagessen vor – aber ich hatte 11:30 Uhr noch keinen Hunger. Er brachte mich zum Hafen und kaufte mein Ticket nach Leme-Leme. Ich hatte noch mehr als zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt. Also bummelte ich durch die Straßen. Dort gab es nicht viel zu sehen. Ein Museum, auf das ich keine Lust hatte, lieblos gebaute Kirchen und Moscheen. Ich fand einen Eisladen, der halal ausgezeichnet war. Drin alles pickobello sauber, Edelstahl, AC, westlich. Ich wagte ein Eis zu kaufen. Ein lecker Becher mit Caramel, Cornflakes am Grund, viel Eis und obenauf solche Geleebubbles. War lecker – mein Stoffwechsel funktioniert noch. Ich versuchte, mein altes Galaxy S20 repariert zu bekommen – aber man hatte das Display nicht vorrätig. Mein Handy hat Wasser gezogen und die Optik ist zeitweise von innen beschlagen – daher die trüben Fotos. Unfreiwillig weichgezeichnet. Eigentlich soll das S20 bis 1,5m wasserdicht sein. Ein Witz. Vielleicht kann ich es morgen in der Sonne austrocknen – und ich hoffe, die Minibläschen im Innern hinterlassen keine Ränder auf Gläsern und Linsen.

In der Stadt war ich noch in einem Krämerladen auf der Suche nach einem typisch sulawesischen Mitbringsel. Der Inhaber, Ajo oder so, sprach ein hervorragendes Englisch, 62 Jahre alt, Muslim, drei Töchter – die jüngste 16. Erst wollte ich mich nicht so richtig darauf einlassen – aber es war ein sehr nettes, herzliches und offenes Gespräch. Der Mann war gut informiert. Er lud mich ein, nochmal vorbeizukommen, wenn ich Lust hätte. Man könnte bissel Gitarre spielen oder so. Zu kaufen gab es von Haushaltwaren über Werkzeug bis zu Büchern und ein paar magischen Mineralien so ziemlich einen bunten Mix. Es gab ein paar schöne hölzerne Kochlöffel – aber zu groß für meine Bedürfnisse. Sonst hatte ich leider nichts gefunden.

Die Überfahrt dauerte. Ich war bereits 13Uhr an Bord – aber statt 14Uhr ging es erst kurz nach 14:30 los. Es gab nur Liegeplätze wie auf Berghütten – nebeneinander – und einige separate Kabinen. Das Schiff wirkte insgesamt recht marode – wie die meisten hier. Aber die See war ruhig, kaum Wellen. Es gab wieder fliegende Fische – und dieses Mal konnte ich hervorragend sehen, wie sie ihre langen Flossen wie Flügel seitwärts aufspannen und wie ein Blitz fast hundert Meter weit fliegen. Meist im stumpfen Winkel zum Boot, schräg nach hinten.

Es war sehr warm an Deck, dennoch hielt ich einen tiefen Mittagsschlaf. Das letzte Viertel der Überfahrt verbrachte ich an Deck und gönnte mir auch noch einen Kaffee in der Kombüse. An Bord waren Mopeds, viel Gepäck und viele Einheimische – ich der einzige Tourist. Banggai ist noch recht untouristisch. Dennoch kommen schon Leute her. Ich bin hier, weil der Rückflug ab Luwuk wohl leichter zu arrangieren ist, als der über Gorontalo und Manado – was eigentlich mein Plan war.

Die Insel wirkt wirklich verschlafen und ursprünglich. Es gibt kaum Autos und auch nicht zu viele Mopeds. Die Uhren ticken hier noch anders, das merkt man gleich bei der Ankunft. Kinder baden vor den aufgestelzten Häusern, Frauen und Männer steigen mit einer solchen Selbstverständlichkeit mit ihren Kleidern ins Wasser, als wäre es kein anderes Element als Luft. Eine zog einen Baumstamm zum Haus – die andere ging vielleicht pullern (?).

Auf mein Moped musste ich etwas warten. Das war nicht ganz so prickelnd – aber okay, weil der Tag um 16:45Uhr ohnehin gelaufen war. Über viele Kilometer war keine Ortschaft – dafür gab es traumhafte Ausblicke über Buchten und Palmen. An den besten Spots waren wir dann mit dem Moped doch zu schnell vorbei.

Meine Unterkunft – Homestay 3 – ist kalt und steril beleuchtet. Ich habe ein eigenes Zimmer und Bad – wohne dafür aber bei den Gastgebern, ihr Wohnzimmer steht über dem Wasser. Zum Abendessen gab es Tofu, Spiegelei, Reis und Wasserspinat. Sah alles sehr lecker aus. Mit meinem guide hier konnte ich noch klären, dass ich Gräten an Fisch nicht so mag. Daher vielleicht das Ei statt Fisch.

Vor dem Abendessen kamen zwei hübsche Mädels aus der Nachbarschaft und wollten jeweils ein Foto mit mir – beide vielleicht 15…16 Jahre alt. Kinder sehen hier wirklich manchmal zuckersüß aus. Frauen finde ich hier nur äußerst selten hübsch.

Bei mir gab es zum Essen schwarzen Tee, die Gastgeber sahen oder hörten Fussball. Jetzt singt nebenan ein kleines Kind laut vor sich hin. Grillen zirpen und manchmal höre ich ein Moped. Die Gesänge hier klingen europäisch. Unsere Tonalität – nicht wie das Gamelangebimmel auf Java, das dennoch faszinierend ist.

Die Häuser sind mit einzelnen Glühbirnen beleuchtet – sonst ist es hier finster. Vor dem Nachbarhaus sitzt ein alter Mann mit nacktem Oberkörper in der Tür. Ich geh jetzt doch noch ein paar Schritte – das ist interessant hier.

Die paar Schritte durch das Dorf waren angenehm. In drei Richtungen ist man schnell am Wasser. Dennoch waren viele Leute auf der Straße, Jugendliche saßen in kleinen Gruppen im Dunkeln. Aus den Häusern hört man Stimmen oder sieht sogar in die manchmal offenen Wohnräume. Es ist völlig unspektakulär hier – aber irgendwie scheint die Zeit etwas stehengeblieben zu sein. In einem der Läden bekam ich sogar ein kaltes Schlafbier. Das hatte ich nicht mehr erwartet. Aus der Ferne klingt indonesischer Schlager herüber, der eher wie deutscher Schlager der Siebziger klingt. Über das Wellblechdach rennt eine Katze – oder ein Nagetier. Die Gegend ist christlich, ich habe keine Moschee gehört. Ich denke, das wird ein toller Tag morgen. Vielleicht kann ich meinen Guide überzeugen, mir etwas mehr zu zeigen als den blauen See und den Strand. Ich lass mich überraschen – acht Uhr will er mich abholen – zum Mittag kommen wir zurück zu meinen Gastgebern.

 

 

 

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